Nachtrag:

Bei dem Infostand über die CO-Pipeline sammelten die Bürgerinitiativen Breitscheid und Duisburg-Süd 1.189 Unterschriften.

Am Samstag, den 16. Januar 2010 führten die Bürgerinitiative Breitscheid und die Duisburger Initiative COntra-Pipeline einen Informationsstand in einem Breitscheider Großmarkt durch.

Viele Bürgerinnen und Bürger waren an den Informationen sehr  interessiert und empört über die menschenfeindliche Verlegung einer Giftgasleitung durch ihr Wohngebiet.

Infostand in Breitscheid

7. Januar 2010

Erneuter Bombenfund - Stadt Duisburg fordert ausgeweitete Kampfmittelsuche

Nach einem erneuten Bombenfund an der CO-Leitung fordern Stadtdirektor Dr. Peter Greulich und der Sprecher der BI COntra-Pipeline, Erich Hennen, den Regierungspräsidenten Jürgen Büssow eindringlich auf, den gesamten Pipeline-Verlauf auf Duisburger Stadtgebiet nach Kampfmittel sondieren zu lassen. „Die Vorgehensweise des Kampfmittelräumdienstes zur räumlichen Identifizierung von Bomben mag bei normalen Projekten angemessen sein, beim Bau einer CO-Pipeline erwarten wir deutlich mehr Sorgfalt“, erläutert Dr. Greulich.

Am 6. Januar ist wieder eine 500-Kilogramm-Fliegerbombe direkt neben der CO-Leitung bei den Kampfmittelsondierungen des Räumdienstes der Bezirksregierung entdeckt worden. Es handelt sich hierbei um den nun vierten größeren Kampfmittelfund (neben einigen Handgranaten und Nebelbomben) im Duisburger Süden in der Nähe der CO-Leitung. Bei der zuletzt gefundenen Bombe ist offensichtlich beim Aufprall das Heck mitsamt Zünder abgerissen worden. Aus diesem Grund brauchte sie nicht entschärft zu werden. Allerdings besitzt das Heck mit dem Zünder noch ausreichend Sprengkraft, um Schaden anzurichten. Es wird danach weiter gesucht.

Die Kampfmittelfunde zeigen deutlich, dass die von der BI COntra-Pipeline bei der Pressekonferenz im Juli vorgestellten Ermittlungen, mit Recherchen in Archiven USA und England, richtig sind. Der Duisburger Süden war ein bei in Not geratenen Bomberpiloten beliebter Notabwurfplatz. Hinzu kommt der Ende 1944 sechswöchige Dauer-Artilleriebeschuss. Zieht man dann noch in Betracht, dass nach offiziellen Mitteilungen des Kampfmittelräumdienstes lediglich etwa 66 Prozent aller Blindgänger durch Luftbildaufnahmen oder Detektion gefunden werden und 33 Prozent Zufallsfunde sind oder noch verdeckt liegen, so erkannt man, welcher Handlungsbedarf hier vorliegt.

Bereits im August letzten Jahres hat die Stadt Duisburg den Regierungspräsidenten schriftlich aufgefordert, den gesamten Leitungsverlauf prüfen zu lassen. Die Stadt wendet sich nun gemeinsam mit der BI COntra-Pipeline erneut an RP Büssow mit dem Appell, die Sondierungen auszudehnen. Das Unterlassen dieser Prüfung wäre aus Sicht von Stadt und BI ein weiterer Grund, der eine Inbetriebnahme der Leitung vom Grundsatz her unmöglich macht. Die BI COntra-Pipeline behält sich weitere rechtliche Schritte und Aktionen vor.

Hilbrands

Erklärung der Bürgerinitiative COntra-Pipeline

Offensichtlich sind Irritationen aufgetaucht, warum die Bürgerinitiative (BI) sich so stark mit den Kampfmittelräumaktionen beschäftigt.

Nach wie vor ist das erklärte und oberste Ziel  der BI den Betrieb der Giftgas-Pipeline durch Wohngebiete zu verhindern. Den Bau der Pipeline hat das OVG   auf eigenes Risiko für Bayer gestattet. Die mittlerweile von Experten als die unsicherste Pipeline der Welt bezeichnete 67 Km lange  Giftgasröhre gefährdet ca 180 000 Anwohner von Monheim – Duisburg. Im Duisburger-Süden haben sich daher auch ca 30 000 Bürger per Unterschrift diesem Ziel verpflichtet.

Mit den wiederholten Bombenfunden wird belegt, dass  Bayer und die bauausführende  Fa. Wingas skrupellos die eigenen Mitarbeiter einem tödlichen Risiko beim Bauaushub  des Leitungsgrabens wissentlich ausgesetzt haben.

Schon 2005 wurde in einer Besprechung (Bayer, Bezirksregierung, Wingas) vereinbart, dass die gesamte Trasse vor Baubeginn auf Kampfmittel untersucht werden muss. So ist es dann auch im Planfeststellungsbeschluss 2007 festgeschrieben worden. Bayer hat sich dann wie auch bei anderen Vergehen gegen den Planfeststellungsbeschluss nicht daran gehalten und um Kosten zu sparen, mit dem Bau begonnen.

Auch der Regierungspräsident, Herr Büssow hat geschlafen, denn ihm oblag während der gesamten Bauphase die  Bauaufsicht. In einer Besprechung mit den Pipelinegegnern im Herbst 2007 – nach dem Granatenfund im Pipelinengraben bei Rahm - hat er uns sogar versichert, die Trasse sei untersucht worden.

Erst als die BI im Juli 2009 Beweise hatte das dies unterblieben war, wurde die nachträgliche Kampfmittelsuche eingeleitet. Im Umweltprotokoll des Landtags ist nachzulesen, dass selbst der Staatssekretär des Umweltministeriums von den Firmen Wingas und Bayer belogen wurde.

Im Übrigen ermittelt die Staatsanwaltschaft zurzeit noch gegen Bayer und Wingas wegen der vor Baubeginn der 67Km langen Trasse unterbliebenen Kampfmittelräumung.

Was für jeden Garagen- oder Häuslebauer  Pflicht ist, eine Baugenehmigung zu beantragen, die wiederum erst nach Prüfung auf Kampfmittelfreiheit erteilt wird, muss auch für ein solches Großprojekt eines Weltkonzerns gelten.

Zum Verständnis für Laien sei auch noch mal erklärt, dass sicherlich ein Großteil der im Boden liegenden Blindgänger nicht von selbst hochgeht, sondern im Regelfall bei Bauarbeiten eine Gefährdung darstellt.

Allerdings sind ca 2,2% der Bomben mit chemisch/mechanischen Langzeitzündern versehen,  die aufgrund der Verrottung  des Zündmechanismus von selbst hochgehen. Dies ist im Internet zu googeln.

Und allen, die es noch genauer wissen wollen, sei empfohlen, sich über das NRW-Innenministerium die Broschüre  „Gefahrenabwehr in NRW“ kostenlos zu bestellen.

Aus all diesen Erkenntnissen leitet sich zweifelsfrei die Folgerung ab, dass Bayer als Betreiber einer solch gefährlichen Giftgasleitung durch Wohngebiete weder die ethische/ gesellschaftliche Autorität  noch genügend Verantwortungskompetenz besitzt.

Erich Hennen
Sprecher der Bürgerinitiative
COntra-Pipeline