Auch diesen Advent und die folgenden Weihnachtstage können wir entspannt verbringen: Die CO –Pipeline liegt weiterhin unbenutzt in der Erde und gammelt so vor sich hin. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bearbeitet zur Zeit wichtigere Verfahren.

Wie geht es weiter?
Nach wie vor gehen wir davon aus, dass nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts in Münster  -  das Enteignungsgesetz ist teilweise Verfassungswidrig  -  In Karlsruhe nicht anders entschieden wird.  Nach Rückverweisung zum OVG nach Münster wird dort das endgültige aus für die CO – Pipeline verkündet.

Allerdings: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.

Aber selbst wenn die Entscheidung des Gerichts eindeutig im Sinne der Vernunft das Ende der Pipeline bedeutet, wissen wir nicht, wie Bayer (BMS/Covestro oder wer auch immer dann Herr der Leitung sein wird)  und die Landesregierung reagieren. Da Beide in den vergangenen acht Jahren in Bezug auf das Pipelineverfahren nicht vernunftbegabt und rechtskonform agiert haben, muss man mit allem Möglichen rechnen.

Was ist vorstellbar?

a.    Beide sind froh, dass ihnen die Entscheidung über ein Ja oder Nein zur Pipeline abgenommen wurde und geben das Projekt auf.

b.    Halsstarrig versuchen einige Betonköpfe beider Seiten das menschenverachtende Projekt durch eine Gesetzesnovellierung doch noch durchzusetzen. Hier ergeben sich allerdings gravierende Probleme. Das Enteignungsgesetz, von den Bayerjuristen den Machern im Wirtschafts und Justizministerium diktiert, basiert auf der Lüge, eine Pipeline für den Transport von CO aus Dormagen nach Uerdingen zu benötigen. Kein Betriebswirtschaftler wird den Kosten des Transports und der Errichtung einer Pipeline zustimmen, wenn er das CO preiswerter vor Ort erzeugen kann.

Es bleibt daher zu vermuten, dass von vornherein ein Riesenspeicher von Godorf bis zur Scholvenchemie bei im Planfeststellungsbeschluss angestrebten 40 bar und einem Inhalt von mehr als 2 Mio. Kubikmetern CO als Reserve bei Betriebsstörungen für Godorf, Leverkusen, Dormagen, Uerdingen bis zum nördlichen Chemiepark avisiert wurde. So ist es auch der Begründung des Enteignungsgesetzes zu entnehmen.

Bayer verkauft seinen 60% Anteil an COVESTRO, denn sie benötigen ja Geld für die Übernahme von Monsanto, und es wird Pipeline unabhängig woanders produziert .
Oder wenn der neue Herr der Pipeline  das von Bayer propagierte n-1Prinzip ebenfalls verfolgt, könnten er einen Steamreformer für Uerdingen bestellen (den bauen und betreiben immer die Synthesegaserzeuger wie Praxair oder Linde) und deren CO- Produktion abkaufen;

oder sie konzentrieren die Polymerproduktion auf nur einen Standort, z.B. dort wo Platz ist und ebenfalls CO produziert wird, also in Dormagen.

c.    Und dann gibt es die niederträchtigste Variante. Angesichts der sozusagen fertigen Pipeline „fackelt“ bei Bayer/BMS die in Uerdingen seit Jahrzehnten ausreichend CO produzierende Koksvergasungsanlage ab (ein Ausfall Hauptmesswarte würde sich anbieten!), jammert über die Stilllegung und verlangt vom Gesetzgeber auf Grund höherer Gewalt die sofortige Inbetriebnahme der Pipeline: „zum Schutz der Arbeitsplätze“, klar. Garniert dies mit absolutem Notstand, und verlangt die sofortige Inbetriebnahme.

d.    Die vielleicht einfachste Lösung: Bayer kauft die enteigneten Grundstücke. Denn für das OVG ist die Pipeline sicher bzw. ist durch Änderungen sicher zu machen, nur die Enteignung geht nicht in Ordnung.

e.     f – z) Weitere Gedankenspiele seien dem Leser überlassen.

Allen einen besinnlichen Advent
Erich Hennen