Wir warten auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) in Karlsruhe. Wann auch immer. Nach Adam Riese und Schürmanns Rechenbuch wird die Endscheidung nicht anders lauten als die des Oberverwaltungsgerichtes in Münster: Das Rohrleitungsgesetz – sprich Enteignungsgesetz - ist verfassungswidrig.

Das BVG verweist das Verfahren dann zurück ans OVG nach Münster und da wird dann das AUS für die CO-Pipeline verkündet.

Allerdings: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.

Aber selbst wenn die Entscheidung des Gerichts eindeutig im Sinne der Vernunft das Ende der Pipeline bedeutet, wissen wir nicht, wie Bayer (BMS oder wie auch immer die in Zukunft heißen werden) und die Landesregierung reagieren. Da Beide in den vergangenen acht Jahren in Bezug auf das Pipelineverfahren nicht vernunftbegabt und rechtskonform agiert haben, muss man mit allem Möglichen rechnen.

Was ist vorstellbar?

    1. Beide sind froh, dass ihnen die Entscheidung über ein Ja oder Nein zur Pipeline abgenommen wurde und geben das Projekt auf.
    2. Halsstarrig versuchen einige Betonköpfe beider Seiten das menschenverachtende Projekt durch eine Gesetzesnovellierung doch noch durchzusetzen. Hier ergeben sich allerdings gravierende Probleme. Das Enteignungsgesetz, von den Bayerjuristen den Machern im Wirtschaftsministerium diktiert, basiert auf der Lüge, eine Pipeline für den Transport von CO aus Dormagen nach Uerdingen zu benötigen. Kein Betriebswirtschaftler wird den Kosten des Transports und der Errichtung einer Pipeline zustimmen, wenn er das CO preiswerter vor Ort erzeugen kann.

Es bleibt daher zu vermuten, dass von vornherein ein Riesenspeicher von Godorf bis zur Scholvenchemie bei im Planfeststellungsbeschluss angestrebten 40 bar und einem Inhalt von bis zu 2 Mio. Kubikmetern CO als Reserve bei Betriebs-störungen für Godorf, Leverkusen, Dormagen, Uerdingen bis zum nördlichen Chemiepark avisiert wurde. So ist es auch der Begründung des Enteignungsgesetzes zu entnehmen.

  1. Der Börsengang oder anstehende Verkauf an einen deutschen oder ausländischen Investor. In diesem Fall müssen sich die neuen Eigentümer dann mit dem Ergebnis rumschlagen:

    z.B. wenn sie das von Bayer propagierte n-1Prinzip ebenfalls verfolgten, könnten sie einen Steamreformer für Uerdingen bestellen (den bauen und betreiben immer die Synthesegaserzeuger wie Praxair oder Linde) und deren CO- Produktion abkaufen;

    oder sie konzentrieren die Polymerproduktion auf nur einen Standort, z.B. dort wo Platz ist und ebenfalls CO produziert wird, also in Dormagen.

  2. Und dann gibt es die niederträchtigste Variante. Angesichts der sozusagen fertigen Pipeline „fackelt“ bei Bayer/BMS die in Uerdingen seit Jahrzehnten ausreichend CO produzierende Koksvergasungsanlage ab (ein Ausfall Hauptmesswarte würde sich anbieten!), jammert über die Stilllegung und verlangt vom Gesetzgeber auf Grund höherer Gewalt die sofortige Inbetriebnahme der Pipeline: „zum Schutz der Arbeitsplätze“, klar.

  3. Die vielleicht einfachste Lösung: Bayer kauft die enteigneten Grundstücke. Denn für das OVG ist die Pipeline sicher bzw. ist durch Änderungen sicher zu machen, nur die Enteignung geht nicht in Ordnung.

  4.  f – z) Weitere Gedankenspiele seien dem Leser überlassen.

 Erich Hennen